Alleine als Frau durch Südamerika reisen – meine ehrlichen Erfahrungen

Wahrscheinlich ist das eine der Fragen, die mir am häufigsten gestellt wird, sobald ich von meinen Südamerika-Reisen erzähle:

„Ist das nicht gefährlich?“
„Kann man das als Frau überhaupt alleine machen?“

Und ehrlich gesagt verstehe ich die Frage in gewisser Weise. Gerade über Südamerika hört man oft viele Geschichten, meistens leider eher die negativen. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass dadurch manchmal ein deutlich extremeres Bild entsteht, als es am Ende tatsächlich ist. Denn häufig wird dieses Gefühl von denjenigen vermittelt, die noch nie dort gewesen sind.

Ja, Reisen in Südamerika fühlt sich anders an als beispielsweise in Europa.

Trotzdem bedeutet das nicht automatisch, dass man dort als Frau nicht alleine reisen kann.

Für mich war es am Ende vor allem eine Mischung aus Vorbereitung, Aufmerksamkeit und Bauchgefühl. Nicht Angst sollte die Reise bestimmen, sondern ein bewusster Umgang mit bestimmten Situationen.

Tatsächlich hatte ich unterwegs oft eher Sorge um mein Gepäck als um mich selbst. Gerade bei längeren Busfahrten oder Nachtbussen sollte man wichtige Dinge wie Pass, Handy, Kamera oder Laptop immer nah bei sich behalten und nicht unten im großen Gepäck verstauen.

Auch nachts habe ich oft lieber ein Taxi oder Uber genommen, selbst wenn die Strecke eigentlich kurz gewesen wäre. Und ehrlich gesagt machen das viele Einheimische dort genauso. Für mich hatte das nie etwas mit Angst zu tun, sondern eher damit, Situationen gar nicht erst unnötig riskant werden zu lassen.

Gleiches gilt eigentlich auch fürs Feiern oder unterwegs sein am Abend. Getränke nicht unbeaufsichtigt lassen, die Umgebung im Blick behalten und im Zweifel lieber einmal mehr auf das eigene Bauchgefühl hören. Viele Situationen lassen sich oft schon vermeiden, wenn man sich nicht unter Druck setzt, irgendwo unbedingt bleiben zu müssen.

Gleichzeitig glaube ich, dass viele sich Südamerika durch und durch gefährlich vorstellen. Und ich möchte das Reisen dort auch nicht als völlig problemlos darstellen. Die Realität liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen.

Nicht jede Gegend in einer Stadt eignet sich nachts und manche Orte sollte man einfach mit etwas mehr Aufmerksamkeit bereisen. Genau deshalb fand ich es immer hilfreich, mich vorher kurz zu informieren oder andere Reisende oder auch Einheimische nach ihren Erfahrungen zu fragen.

Einer der wichtigsten Punkte unterwegs war für mich wahrscheinlich, auf mein eigenes Gefühl zu hören. Wenn sich eine Situation komisch angefühlt hat, bin ich gegangen. Wenn mir ein Hostel oder eine Gegend kein gutes Gefühl gegeben hat, habe ich spontan etwas geändert. Dieses Vertrauen in das eigene Gefühl wird mit der Zeit oft stärker.

Was bei all den Sicherheitsfragen oft ein bisschen untergeht: wie unglaublich schön und vielfältig Südamerika eigentlich ist.

Die Landschaften, die Kultur, die Menschen und dieses Gefühl von Freiheit unterwegs haben die Reisen für mich unglaublich besonders gemacht. Gleichzeitig habe ich dort viele andere alleinreisende Frauen getroffen (übrigens sind mehr als 70% aller Alleinreisenden Frauen), die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Würde ich also als Frau alleine nach Südamerika reisen? Definitiv ja.

Nicht, weil dort nie etwas passieren kann oder weil man komplett sorglos unterwegs sein sollte. Sondern weil ich glaube, dass man sich von den vielen Horrorgeschichten oft mehr einschüchtern lässt, als notwendig wäre.

Aufmerksamkeit, Vorbereitung und ein gutes Bauchgefühl machen meiner Meinung nach einen viel größeren Unterschied als ständige Angst. Und gleichzeitig wäre es unglaublich schade, auf all die Erfahrungen, Begegnungen und Orte zu verzichten, nur weil man sich von Unsicherheit komplett zurückhalten lässt.

Wenn du gerade überlegst, alleine nach Südamerika zu reisen und dir bei der Route oder Planung noch unsicher bist, unterstütze ich dich gerne dabei.